Neben der sichtbaren Oberbekleidung führt die männliche Unterwäsche ein unscheinbares Dasein. Denkt sich die Frau, unauslöschliche Bilder von weißem Feinripp (mit Bein? Oder ohne?) im Kopf. Nun, die männliche Jugend trägt Feinripp höchstens als sexy Oberteil (bevorzugt an kalten Tagen, verstehe das, wer wolle); was sich unter tiefsitzenden Jeans so verbirgt, kann an Vielfalt und Farbenfrohheit mit jeder weiblichen Dessouslade mithalten.
Wobei die Grundform "mit Bein" eindeutig das Rennen gemacht hat, vielleicht, weil findige Marketingstrategen die Eingebung hatten, sie "Panty" zu nennen - das klingt irgendwie knackig und ruft die Erinnerung an überlebensgroße Calvin Klein-Models an Hauswänden im weiblichen Gehirn hervor (und, so scheint es, auch im männlichen!).
An Farbigkeit hat die(der?das?) männliche panty seit den 80ern allerdings kräftig zugelegt...Regenbogenstreifen, bunter Gummibund, allover-Druck: Alles zu haben. Und alles zu sehen, der Tiefbundhose sei Dank. Es entspricht wohl männlicher Logik, dass es nur dann Sinn macht, eine Aufsehen erregende Unterhose zu tragen, wenn man diese auch wirklich sehen kann. Während die Verführung reizender weiblicher Wäsche ja gerade darin besteht, dass sie verborgen bleibt und nur dem Auserwählten offenbart wird (und die Trägerin im Wissen darum auch ihre Macht vermehrt), scheint männliche Underwear so gradeheraus zu funktionieren wie..äh...andere männliche Attribute. Direkt, ohne Umwege. Oder interpretiere ich da zuviel hinein, und denkt mann sich einfach: Wozu Geld für ein Kleidungsstück ausgeben, das keiner sehen kann? Also - Hose auf die Hüfte! Oder: Feinripp, den ohnehin keiner sehen will, und Hose rauf zum Bund!
Ein weiterer Aspekt des männlichen Kleiderschrankes: Sein Sockenvorrat. Ich behaupte: Zu viele Socken im männlichen Haushalt gibt es nicht. Bei 5 Männern im Haus und 7 Wochentagen fallen wöchentlich 35 Paar Socken an; bedenkt man den ständigen Schwund (faustgroße Löcher, rätselhaftes Verschwinden, mumifizierte Exemplare unter Betten und hinter Kästen), sollte frau daher mindestens 100 Paare in Reserve halten...oder verschieden bestrumpfte männliche Beine in Kauf nehmen...
Ehrlich: Das geheime Leben der einzelnen Männersocke wäre eine eingehende Untersuchung wert. Übernatürliche Phänomene wurden schon in unscheinbareren Dingen entdeckt!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen